Finanzbildung

Wie Sie den Zinseszins auf Ihre Ersparnisse berechnen

Michael Berger··3 min read
Lidion Bank — PickTheBank multibanking platform

Der Zinseszinseffekt gilt als eines der wenigen Wunder der Finanzwelt. Was harmlos klingt – Zinsen auf Zinsen – entfaltet über Jahre eine Wirkung, die viele unterschätzen. Rechnen wir es einmal konkret durch.

Die Formel

Für eine einmalige Anlage lautet die Zinseszinsformel: Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Jahre. Bei 10.000 € Startkapital und 3,00% p.a. über 5 Jahre ergibt das: 10.000 × 1,03⁵ = 11.592,74 €. Der reine Zinsertrag beträgt also 1.592,74 €, wovon 592,74 € aus dem Zinseszinseffekt stammen – der Rest wären die reinen 3% pro Jahr auf das ursprüngliche Kapital.

Warum die Verzinsungsfrequenz zählt

Nicht jedes Konto verzinst gleich. Bei jährlicher Zinsgutschrift wird der Zinseszinseffekt einmal im Jahr wirksam. Wird stattdessen quartalsweise verzinst, arbeitet der Effekt vier Mal pro Jahr. Der Unterschied ist klein, aber real: 3,00% p.a. mit quartalsweiser Gutschrift entsprechen einer effektiven Jahresverzinsung von rund 3,03%.

In Österreich werden Festgeldzinsen meist jährlich gutgeschrieben. Bei mehrjährigen Laufzeiten macht es einen Unterschied, ob die Bank die Zinsen am Ende der Laufzeit auf einen Schlag zahlt oder jedes Jahr aufs Konto packt – letzteres bringt den Zinseszinseffekt zum Tragen.

Beispielrechnung: 20.000 € über 10 Jahre

Bei 2,50% Zinssatz und jährlicher Verzinsung: 20.000 × 1,025¹⁰ = 25.602,80 €. Der Zinsertrag beträgt 5.602,80 €. Ohne Zinseszinseffekt (rein linear: 20.000 × 0,025 × 10) wären es nur 5.000 € gewesen. Zinseszins-Bonus: 602,80 €.

Bei 4,00% über dieselben 10 Jahre: 20.000 × 1,04¹⁰ = 29.604,89 €. Der Zinseszins-Bonus beträgt hier bereits 1.604,89 € – der Effekt wächst überproportional mit der Höhe des Zinssatzes.

Vergessen Sie die Steuer nicht

In Österreich unterliegen Zinserträge der Kapitalertragsteuer (KESt), die von der Bank direkt einbehalten wird. Aus 3,00% brutto werden also nach Steuer weniger. Wenn Sie mit Nettozahlen rechnen, ziehen Sie den KESt-Satz vom Bruttozinssatz ab und rechnen mit dem Rest weiter. Beispiel bei einem 27,5%-Satz: aus 3,00% brutto werden 2,175% netto.

Regelmäßige Einzahlungen einbeziehen

Wenn Sie zusätzlich zum Startkapital monatlich sparen, wird die Rechnung komplexer. Näherungsweise können Sie so vorgehen: Berechnen Sie den Endwert des Startkapitals wie oben, addieren Sie dann für jede monatliche Einzahlung deren aufgezinsten Wert bis zum Ende der Laufzeit. Der Zinsrechner auf dieser Website übernimmt das für Sie – wichtig ist nur das Gefühl für die Größenordnung.

Was Sie mitnehmen sollten

  • Der Zinseszins wirkt exponentiell, nicht linear – der Effekt beschleunigt sich mit den Jahren.
  • Zeit ist der wichtigste Hebel: Ein Prozentpunkt mehr über 20 Jahre schlägt einen Prozentpunkt mehr über 3 Jahre deutlich.
  • Rechnen Sie mit Nettozinsen, wenn Sie einen realistischen Endbetrag wollen.

Für einen ersten Überblick reicht die Grundformel. Für ernsthafte Sparziele lohnt sich ein Rechner, der auch monatliche Einzahlungen und die österreichische KESt korrekt berücksichtigt.

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