Finanzbildung

Was ist Festgeld und wie funktioniert es?

Michael Berger··3 min read
Lidion Bank — PickTheBank multibanking platform

Festgeld ist eine der ältesten und einfachsten Sparformen: Sie legen einen Betrag für eine im Voraus vereinbarte Laufzeit bei einer Bank an und erhalten dafür einen fest zugesicherten Zinssatz. Während der Bindungsdauer bleibt das Geld gesperrt – das ist der Preis für die Zinsgarantie. In Zeiten schwankender EZB-Sätze wird diese Planungssicherheit zum Argument.

In Österreich läuft ein Festgeldkonto meist als Unterkonto zu einem bestehenden Girokonto oder Verrechnungskonto. Sie überweisen den Anlagebetrag, die Bank bestätigt Zinssatz und Endfälligkeit schriftlich, und am Laufzeitende wird das Kapital samt Zinsen wieder gutgeschrieben.

Wie der Zinssatz entsteht

Banken kalkulieren Festgeldzinsen entlang zweier Größen: dem allgemeinen Zinsniveau, das die Europäische Zentralbank über den Einlagensatz vorgibt, und ihrem eigenen Refinanzierungsbedarf. Eine Bank, die dringend Einlagen einsammeln möchte, setzt tendenziell höhere Zinsen an als ein Institut mit gut gefüllter Liquiditätsdecke. Deshalb kann der Zinsunterschied zwischen zwei österreichischen Anbietern bei derselben 12-Monats-Laufzeit durchaus einen ganzen Prozentpunkt betragen.

Laufzeit, Mindesteinlage, Zinsgutschrift

Üblich sind Laufzeiten zwischen 3 Monaten und 60 Monaten (5 Jahren). Kurze Laufzeiten bieten mehr Flexibilität, längere Laufzeiten meist einen höheren Zins – aber nicht immer: In inversen Zinsphasen zahlen manche Banken kurze Laufzeiten sogar besser. Die Mindesteinlage liegt bei den meisten österreichischen Anbietern zwischen 500 € und 10.000 €.

Die Zinsen werden je nach Bank jährlich, halbjährlich oder erst am Ende der Laufzeit gutgeschrieben. Für den Endbetrag macht das bei kurzen Laufzeiten kaum einen Unterschied, bei mehrjährigen Anlagen entsteht durch den Zinseszinseffekt aber ein spürbarer Vorteil, wenn Zinsen jährlich mitverzinst werden.

Was am Ende der Laufzeit passiert

Wichtig ist die sogenannte Prolongationsklausel. Fehlt eine rechtzeitige Weisung, verlängern manche Banken den Vertrag automatisch – teils zu deutlich schlechteren Konditionen. Kalendereintrag zwei Wochen vor Fälligkeit: prüfen, kündigen oder aktiv neu abschließen.

Sicherheit

In Österreich sind Einlagen pro Kunde und Bank bis 100.000 € durch die gesetzliche Einlagensicherung (Einlagensicherung AUSTRIA) geschützt. Diese Grenze gilt EU-weit und wurde durch die Richtlinie 2014/49/EU harmonisiert – dasselbe Schutzniveau erhalten Sie also bei einer Festgeldanlage in Deutschland, Frankreich oder Luxemburg.

Für wen sich Festgeld eignet

Festgeld ist kein Ersatz für die Notreserve am Sparkonto, sondern die Ebene darüber: Geld, das Sie in absehbarer Zeit nicht brauchen und mit dem Sie einen kalkulierbaren Ertrag erzielen wollen, ohne ins Aktienrisiko zu gehen. Für Beträge, an die Sie kurzfristig herankommen müssen, bleibt das Sparkonto oder Tagesgeldkonto die richtige Wahl.

Kurz gesagt: Festgeld ist ein Werkzeug, kein Wunderprodukt. Wer weiß, wann er sein Geld wieder braucht, kann sich damit einen Zins sichern, den ein flexibles Sparkonto in derselben Phase selten hergibt.

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