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Festgeld-Leiter (Laddering): Zinsen sichern ohne Liquidität zu verlieren

Michael Berger··3 Min. Lesezeit
Lidion Bank — PickTheBank multibanking platform

Wer einen größeren Betrag über mehrere Jahre anlegen will, steht vor einem Dilemma: Lange Laufzeiten bringen oft höhere Zinsen, binden das Geld aber lange. Kurze Laufzeiten sind flexibel, verzichten aber auf Zinsprämien. Die Festgeldleiter (im Englischen Laddering genannt) löst dieses Dilemma – ohne exotische Produkte, nur mit Ordnung.

Wie eine Festgeldleiter aufgebaut wird

Statt 20.000 € auf einen Schlag in ein 5-jähriges Festgeld zu stecken, teilen Sie den Betrag in fünf gleich große Portionen und verteilen ihn auf Laufzeiten von 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren. Nach einem Jahr wird die 1-Jahres-Tranche fällig – Sie legen sie neu für 5 Jahre an. Nach zwei Jahren die nächste, wieder für 5 Jahre. Nach 5 Jahren haben Sie eine reine 5-Jahres-Struktur mit jährlicher Fälligkeit.

Warum das sinnvoll ist

Erstens: Jedes Jahr wird ein Teil Ihres Kapitals frei. Wenn Sie unerwartet Geld brauchen oder wenn sich Ihre Pläne ändern, müssen Sie kein Festgeld vorzeitig auflösen. Zweitens: Sie profitieren mittelfristig immer vom aktuellen Zinsniveau, ohne alles zu einem einzigen Zeitpunkt festzulegen. Steigen die Zinsen, legen Sie die fällig werdende Tranche zum neuen, höheren Satz an. Sinken sie, hält der Rest der Leiter noch die alten, besseren Konditionen.

Drittens: Die Struktur ist psychologisch angenehmer. Weniger Angst, den falschen Zeitpunkt für einen langfristigen Vertrag erwischt zu haben.

Ein Beispiel mit Zahlen

Ausgangssituation: 25.000 € Anlagesumme, aktuelles Zinsniveau in Österreich für 12 Monate rund 3,00% p.a., für 60 Monate rund 3,20% p.a. Sie teilen in fünf Tranchen zu je 5.000 €.

  • Tranche 1: 5.000 € auf 12 Monate zu ~3,00%.
  • Tranche 2: 5.000 € auf 24 Monate zu ~3,10%.
  • Tranche 3: 5.000 € auf 36 Monate zu ~3,15%.
  • Tranche 4: 5.000 € auf 48 Monate zu ~3,15%.
  • Tranche 5: 5.000 € auf 60 Monate zu ~3,20%.

(Die konkreten Sätze schwanken von Bank zu Bank. Nutzen Sie den aktuellen Vergleich, um die besten Konditionen für jede Laufzeit zu finden – auch bei unterschiedlichen Banken, wenn nötig.)

Varianten der Leiter

Nicht jeder braucht eine 5-Jahres-Leiter. Wer flexibler bleiben will, baut eine 3-Jahres-Leiter mit Laufzeiten von 6, 12, 18, 24, 30 und 36 Monaten. Wer ein sehr großes Kapital anlegt, kann zwei Leitern in unterschiedlichen Banken parallel führen und so gleichzeitig die 100.000-€-Grenze der Einlagensicherung pro Institut einhalten.

Was zu beachten ist

  • Prolongationsklauseln der Banken kennen: automatische Verlängerung ist bequem, aber oft zu schlechteren Konditionen. Vor Fälligkeit aktiv entscheiden.
  • Zinsertrag ist steuerpflichtig (KESt); die Nettoerträge in der Planung berücksichtigen.
  • Bei Anlagesummen über 100.000 € auf verschiedene Banken/Länder verteilen, um die Einlagensicherung optimal zu nutzen.

Die Festgeldleiter ist keine Renditewundermethode. Sie ist eine schlichte Ordnungsstrategie, die Verfügbarkeit und Zins besser ausbalanciert, als es eine einzige starre Anlage tut. Genau deshalb wird sie seit Jahrzehnten empfohlen.

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