Wie viel Sie im Notgroschen halten sollten – und wo
Der Notgroschen ist die stille Basis jeder soliden Finanzplanung. Kein Aktienportfolio, keine Vorsorgestrategie, keine Immobilienplanung funktioniert langfristig, wenn sie beim ersten kaputten Auto oder bei einer plötzlichen Arbeitsunterbrechung ins Wanken gerät. Aber wie viel ist genug – und wo bewahrt man das Geld sinnvoll auf?
Die richtige Größenordnung
Die klassische Faustregel spricht von drei bis sechs Monatsausgaben. Achtung: Ausgaben, nicht Einkommen. Wer 3.500 € netto verdient, aber nur 2.200 € im Monat ausgibt, braucht eine Reserve von 6.600 bis 13.200 €, nicht mehr. Ausgehen sollten Sie von den Fixkosten (Miete, Strom, Versicherungen, Kreditraten) plus einem realistischen Betrag für Lebensmittel und Alltag.
Für welchen Wert innerhalb dieser Spanne Sie sich entscheiden, hängt von Ihrer Lebenssituation ab. Angestellt in einem sicheren Job, ohne Kinder, kaum Fixkosten? Drei Monatsausgaben reichen. Selbstständig mit unregelmäßigem Einkommen, Familie, Immobilienkredit? Sechs Monate oder eher mehr sind angemessen.
Wo der Notgroschen NICHT liegen sollte
Aktien, ETFs, Fonds oder Kryptowährungen sind für die Notreserve ungeeignet. Der ganze Zweck der Reserve ist, dass sie verfügbar ist, wenn Sie sie brauchen – und zwar zum vollen Wert, nicht ausgerechnet dann, wenn der Markt gerade 30% eingebrochen ist. Auch Festgeld ist kein guter Aufbewahrungsort: Wenn die Waschmaschine morgen kaputtgeht, hilft Ihnen ein Festgeldkonto mit Fälligkeit in 14 Monaten nicht weiter.
Wo der Notgroschen hingehört
Die naheliegende Antwort ist ein Sparkonto oder Tagesgeldkonto: täglich verfügbar, sicher, in Österreich bis 100.000 € pro Bank durch die Einlagensicherung geschützt. Der Zinssatz ist variabel, oft niedriger als bei einem Festgeld – das ist der Preis für die Verfügbarkeit. Suchen Sie einen Anbieter mit einem konkurrenzfähigen Sparzins; die Unterschiede zwischen den österreichischen und europäischen Banken sind auch im variablen Bereich erheblich.
Zwei-Ebenen-Ansatz
Wer den Notgroschen ganz einfach halten will, kombiniert zwei Ebenen: ein Puffer von 500 bis 1.000 € direkt auf dem Girokonto für unmittelbare Ausgaben, der Rest der Reserve auf einem separaten Sparkonto. Das Girokonto verzinst meist nicht, aber der Sofortzugriff ist wichtiger als ein paar Euro Zinsen. Der große Rest sammelt auf dem Sparkonto Zinsen und ist per Überweisung binnen eines Werktages verfügbar.
Was mit dem Rest passiert
Alles, was über die berechnete Notreserve hinausgeht, gehört in eine Anlagestrategie mit längerem Horizont. Hier kommt Festgeld ins Spiel – oder, für risikobereitere Sparer, ETFs oder ein breit gestreutes Aktien-Portfolio. Die klare Trennung zwischen Notreserve (sicher, verfügbar, kleiner Ertrag) und Anlagekapital (chancenorientiert, längerer Horizont) ist der wichtigste Schritt zu einer nachhaltigen Finanzstruktur.
Was Sie regelmäßig prüfen sollten
- Höhe der Reserve: Wenn Ihre monatlichen Ausgaben deutlich gestiegen sind, wächst auch der Zielwert.
- Zinssatz des Sparkontos: Banken senken variable Zinsen leise – jährlicher Vergleich lohnt sich.
- Trennung von Anlage und Reserve: Die Reserve darf nicht schleichend in langfristige Investments abwandern.
Ein sauber aufgebauter Notgroschen ist unspektakulär, wird nur selten wirklich gebraucht – und ist genau dann Gold wert, wenn er gebraucht wird.
